Unser Interview mit Sabine Kuhnert
Gründerregion Fulda: Sabine, wenn man „Rhönesel“ hört, hat man sofort Bilder im Kopf. Wie ist die Idee entstanden?
Sabine: Ich glaube, das war weniger eine klassische Business-Idee und viel mehr mein Herzensding. Ich wollte einen Ort schaffen, der wirklich zu mir passt und der etwas Besonderes ist: draußen sein, mit Tieren arbeiten, Menschen aus ihrem Stress rausholen und auch Musik mit einfließen lassen. Irgendwann war klar: Das ist genau die Mischung, die ich liebe. Und dann kamen natürlich noch Max und Moritz ins Spiel. Meine zwei Esel, die auf ihre ganz eigene Art sagen: „Jetzt mal langsam.“
Gründerregion Fulda: Erzähl doch mal, was an Eseln – und ganz speziell an Max und Moritz – so besonders ist.
Sabine: Max und Moritz sind wirklich das Herzstück von Rhönesel. Esel ticken einfach anders als wir Menschen. Sie machen nichts auf Kommando, lassen sich nicht hetzen und reagieren sehr ehrlich auf das, was ihnen begegnet. Genau das spüren die Menschen sofort. Wer Zeit mit den beiden verbringt, wird automatisch ruhiger, nimmt Tempo raus und kommt im Moment an. Viele sagen schon nach ein paar Minuten: „Krass, ich atme wieder richtig.“ Und genau das macht diese Begegnung so besonders.
Gründerregion Fulda: Was können Menschen konkret bei euch erleben? Welche Angebote gibt es?
Sabine: Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem, was jemand gerade braucht. Ein zentrales Angebot sind unsere Eselwanderungen. Wir starten in der Rhön und sind ganz bewusst langsam unterwegs. Es geht nicht um Leistung oder Strecke, sondern um Natur erleben, zur Ruhe kommen und sich auf die Tiere einzulassen. Zusätzlich gibt es die sogenannte „Eselzeit“ direkt auf der Wiese. Da geht es darum, Zeit mit Max und Moritz zu verbringen, sie zu putzen, Nähe zuzulassen und zu verstehen, wie Esel eigentlich ticken. Das ist auch für Familien und Kinder etwas ganz Besonderes.
Gründerregion Fulda: Ein Angebot sticht besonders heraus: „Eselklang“. Was steckt dahinter?
Sabine: „Eselklang“ ist eine Auszeit für alle Sinne. Wir verbinden die Begegnung mit den Eseln mit Entspannungsübungen und einer Klangreise. Das Ganze findet draußen statt, in der Natur, mit Blick in die Rhön. Es ist kein festes Programm, sondern eher ein Raum zum Loslassen. Viele merken erst danach, wie sehr sie vorher im Kopf waren und wie gut es tut, einfach mal nichts zu müssen.
Gründerregion Fulda: Wer kommt zu euch? Eher Menschen aus der Region oder Gäste von außerhalb?
Sabine: Tatsächlich beides. Viele kommen aus der Region Fulda oder der Rhön und sagen ganz bewusst: Ich brauche mal eine Pause vom Alltag. Gleichzeitig haben wir auch Gäste, die im Urlaub hier sind und etwas Besonderes erleben möchten. Ich finde es schön, dass Rhönesel für ganz unterschiedliche Menschen funktioniert, solange sie offen sind für Natur und Tiere.
Gründerregion Fulda: Bei euch geht es ja nicht um inszenierte Wellness, sondern um echte Entschleunigung.
Sabine: Genau. Ich mag es ehrlich und bodenständig. Bei uns gibt es kein Hochglanz-Wellness und kein „du musst jetzt entspannen“. Die Esel holen die Menschen ganz von selbst runter. Tiere sind einfach ehrlich. Wenn jemand gestresst ist, merken sie das sofort. Und wenn man ruhiger wird, entsteht plötzlich eine ganz andere Verbindung. Das kann man nicht planen, das passiert einfach.
Gründerregion Fulda: Ihr bietet auch Formate für Gruppen an, richtig?
Sabine: Ja, zum Beispiel Kindergeburtstage auf der Eselwiese. Da lernen die Kinder spielerisch den Umgang mit den Tieren, übernehmen Verantwortung und erleben ganz viel Nähe zur Natur. Außerdem gibt es Retreats und besondere Auszeiten, bei denen Bewegung, Entspannung, Natur und Eselzeit zusammenkommen. Für viele ist das eine gute Möglichkeit, wirklich mal aus dem Alltag auszusteigen.
„Manchmal hilft es, sich ein bisschen was von Eseln abzuschauen: langsam sein, klar bleiben und konsequent den eigenen Weg gehen.“
Gründerregion Fulda: Was war für dich auf dem Weg in die Selbstständigkeit die größte Herausforderung?
Sabine: Am Anfang ist man einfach alles gleichzeitig. Idee, Organisation, Marketing, Umsetzung – und das Ganze soll sich trotzdem stimmig anfühlen. Dazu kommt bei mir die Verantwortung für die Tiere. Mir war immer wichtig, dass das Projekt mit den Eseln funktioniert und nicht auf ihre Kosten geht. Das erfordert viel Planung und ein gutes Gespür dafür, was für Mensch und Tier passt.
Gründerregion Fulda: Warum ist die Region Fulda beziehungsweise die Rhön für dich der richtige Ort für Rhönesel?
Sabine: Weil die Landschaft hier ein Teil des Ganzen ist. Die Weite, die Ruhe, die Natur – das kannst du nicht künstlich herstellen. Gleichzeitig bist du hier gut angebunden, Fulda ist nah und die Wege sind kurz. Für ein Angebot, das so stark mit der Region verbunden ist, ist das einfach perfekt.
Gründerregion Fulda: Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast: Das funktioniert wirklich?
Sabine: Ja, immer dann, wenn Menschen nach einer Begegnung sagen: „Ich war seit Wochen nicht mehr so ruhig.“ Oder wenn Kinder am Anfang noch vorsichtig sind und am Ende total stolz einen Esel führen. Das sind diese kleinen Momente, in denen man merkt, dass genau das gebraucht wird.
Gründerregion Fulda: Zum Abschluss: Was würdest du jemandem raten, der überlegt, in der Region Fulda zu gründen?
Sabine: Mach etwas, das wirklich zu dir passt. In der Region gibt es Raum für besondere Ideen, nicht nur für klassische Geschäftsmodelle. Wenn dein Angebot ehrlich ist und zur Region passt, findest du hier Menschen, die das unterstützen. Und manchmal hilft es auch, sich ein bisschen was von Eseln abzuschauen: langsam sein, klar bleiben und konsequent den eigenen Weg gehen.