Unser Interview mit Lea Baumbach
Gründerregion Fulda: Lea, du bist als junge Unternehmerin in ein traditionsreiches Familienunternehmen eingestiegen. Warum hast du dich für die Nachfolge entschieden?
Lea: Ich wollte Verantwortung übernehmen, gestalten, Tradition erhalten und Nachfolge ist ein schneller Weg ins Unternehmertum, was mich sehr gereizt hat. Die Entscheidung kam aus dem Bauchgefühl. Darauf dürfen wir alle viel mehr hören, privat und unternehmerisch.
„Die Entscheidung kam aus dem Bauchgefühl. Darauf dürfen wir alle viel mehr hören, privat und unternehmerisch.“
Gründerregion Fulda: Was hat dich am Unternehmertum besonders gereizt und tut es bis heute?
Lea: Mich begeistert besonders der Gestaltungsfreiraum. Ich kann Prozesse neu denken, Strukturen modernisieren und gleichzeitig Werte bewahren. Diese Mischung aus Strategie und Kreativität motiviert mich.
Gründerregion Fulda: Nachfolge gilt oft als herausfordernd. Was waren für dich die größten Learnings?
Lea:
- Vertrauen – in mich als junge Unternehmerin, in das Unternehmen, in neue Wege und in die Menschen, die Teil dieses Prozesses sind.
- Die einzige Konstante ist der Wandel. In der gemeinsamen Zeit mit meinem Vater habe ich unglaublich viel gelernt, fachlich wie menschlich. Gleichzeitig musste ich meinen eigenen Führungsstil entwickeln und Entscheidungen treffen, die nicht immer bequem waren.
- Veränderung braucht Zeit. Nachfolge und Unternehmertum sind ein Prozess, voller Höhen und Tiefen. Genieße den Weg und schaue nach Chancen in herausfordernden Zeiten.
Gründerregion Fulda: Du hast 2025 den Hessischen Gründerpreis (HGP) gewonnen. Was bedeutet diese Auszeichnung für dich?
Lea: Der HGP war eine enorme Bestätigung für mich als Unternehmerin und für das gesamte Team. Er zeigt, dass Nachfolge zukunftsfähig ist, wenn man bereit ist, Tradition mit Innovation zu verbinden.
Gründerregion Fulda: Was hat sich seit der Übernahme im Unternehmen konkret verändert?
Lea: Wir haben Prozesse digitalisiert, Strukturen klarer definiert und Führung neu gedacht. Themen wie Transparenz, Kommunikation und strategische Planung haben deutlich an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig investieren wir gezielt in Qualität, Nachhaltigkeit und die Weiterentwicklung unseres Teams, das ist für mich die Basis für langfristigen Erfolg.
„Ohne einen Ansprechpartner der Region Fulda hätte ich mich gar nicht beim HGP beworben.“
Gründerregion Fulda: Welche Rolle spielt die Region Fulda für dich als Unternehmerin?
Lea: Eine sehr große. Ohne einen lieben Ansprechpartner der Region Fulda hätte ich mich gar nicht beim HGP beworben. Die Region steht für wertvollen Austausch, Unternehmergeist und Zusammenhalt. Mir ist es wichtig, Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu sichern und Perspektiven zu schaffen, insbesondere durch Ausbildung.
Gründerregion Fulda: Was sind deine nächsten Schritte – persönlich und unternehmerisch?
Lea: Unternehmerisch stehen weitere Investitionen in Automatisierung, Nachhaltigkeit und Organisationsentwicklung an. Ich möchte das Unternehmen strategisch weiter öffnen und zukunftsfähig aufstellen. Persönlich möchte ich im Gegensatz dazu mehr Zeit offline verbringen.
Gründerregion Fulda: Was würdest du jungen Menschen raten, die vor der Entscheidung zur Unternehmensnachfolge stehen?
Lea: Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt. Für diese Entscheidung wird nie alles ideal vorbereitet sein und genau das darf man akzeptieren. Es geht um den individuellen Weg und das Wachstum, das dieser mit sich bringt.
Mein Rat: Vernetzen, austauschen und Durchhaltevermögen mitbringen. Am Anfang kann vieles frustrieren – gewachsene Strukturen, langsame Prozesse, Diskussionen mit der anderen Generation… Schritt für Schritt entsteht daraus etwas Eigenes und das ist unglaublich erfüllend.