Unser Interview mit Senouci Allam
Gründerregion Fulda: Senouci, nimm uns mal mit zurück an den Anfang. Wie ist eduTECS eigentlich entstanden?
Senouci: Ganz ehrlich: Nicht aus einem großen Masterplan heraus, sondern aus einer Situation, die viele kennen. Während der Corona-Zeit habe ich gemerkt, wie schwer sich viele Auszubildende mit der Prüfungsvorbereitung getan haben. Motivation im Keller, Lernstoff gefühlt unendlich und niemand so richtig, der einen an die Hand nimmt. Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum muss Lernen eigentlich immer so trocken sein? Und genau daraus ist die Idee entstanden, Lernen einfacher, strukturierter und irgendwie auch menschlicher zu machen.
Gründerregion Fulda: Wann wurde aus dieser Idee dann ein richtiges Unternehmen?
Senouci: Die EduTecs GmbH haben wir am 13. Januar 2021 hier in Fulda gegründet. Das war so der Moment, in dem aus „Man könnte ja mal…“ ein echtes Projekt wurde. Ein gutes Jahr später, im Februar 2022, ging dann die erste Version unserer Lern-App eduTORIA an den Start. Das war definitiv ein großer Meilenstein für uns.
Gründerregion Fulda: Was genau steckt hinter eduTORIA und was macht eure App besonders?
Senouci: eduTORIA soll kein weiteres Lern-Tool sein, das man sich runterlädt und nach zwei Tagen wieder vergisst. Die App funktioniert eher wie ein persönlicher Lernbuddy. Sie hilft dabei, den Lernstoff sinnvoll zu strukturieren, den eigenen Fortschritt im Blick zu behalten und realistische Lernpläne zu erstellen – immer mit Blick auf den Prüfungstermin. Uns war wichtig, dass Lernen sich in den Alltag integrieren lässt und nicht zusätzlich stresst.
Gründerregion Fulda: Viele kennen euch vor allem wegen der App. Was bietet eduTECS darüber hinaus noch?
Senouci: Tatsächlich machen wir inzwischen viel mehr als „nur“ App. Wir bieten auch klassische Prüfungsvorbereitungskurse an, zum Beispiel für Auszubildende kurz vor den Abschlussprüfungen. Zusätzlich haben wir den Bereich Erwachsenenbildung stark ausgebaut – etwa mit Kursen zum Wirtschaftsfachwirt oder zur Ausbildereignung (AEVO). Für uns gehört beides zusammen: digitale Lösungen und persönlicher Austausch.
Gründerregion Fulda: Der Weg zum funktionierenden Geschäftsmodell ist selten gerade. Was waren für dich die größten Herausforderungen?
Senouci: Da gab es einige. Die erste Version unserer App war ehrlich gesagt noch nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Wir haben schnell gemerkt, dass wir nachschärfen müssen. Dazu kommen die klassischen Gründer-Momente: Pitches, bei denen der Funke nicht überspringt, Gespräche, die vielversprechend starten und dann im Sand verlaufen. Gerade am Anfang braucht man einen langen Atem und die Bereitschaft, aus Feedback wirklich etwas zu machen.
Gründerregion Fulda: Und was hat dir geholfen, dranzubleiben?
Senouci: Zum einen genau dieses Feedback – auch wenn es manchmal unbequem ist. Zum anderen das Mindset, dass Gründen kein Sprint ist. Man startet nicht perfekt, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt weiter. Sobald man das akzeptiert, geht man entspannter mit Rückschlägen um und bleibt handlungsfähig.
Gründerregion Fulda: Ihr wart mit eduTECS auch über die Region hinaus sichtbar. Welche Stationen waren besonders prägend?
Senouci: Ein echtes Highlight war der Creative Business Cup 2022 in Kopenhagen, bei dem wir Deutschland vertreten durften. Das hat uns gezeigt, dass eine Idee aus Fulda auch international bestehen kann. Sehr wichtig war für uns auch der Hessische Gründerpreis 2023. Diese Auszeichnung hat uns nicht nur Sichtbarkeit gebracht, sondern vor allem wertvolle Kontakte, die bis heute bestehen. Und ganz ehrlich: Auch die vielen Gespräche hier vor Ort in Fulda waren extrem wichtig für unseren Weg.
„Gründen heißt nicht, perfekt zu starten oder von Anfang an den Masterplan zu haben. Gründen heißt, loszugehen, obwohl noch nicht alles fertig ist.“
Gründerregion Fulda: Stichwort Fulda – was macht die Region für dich als Gründungsstandort besonders?
Senouci: Fulda ist angenehm unkompliziert. Die Wege sind kurz, man kommt schnell ins Gespräch und wenn man Unterstützung sucht, findet man sie auch. Gerade für Gründerinnen und Gründer ist das enorm wertvoll. Man fühlt sich nicht allein, sondern als Teil einer Community, die sich gegenseitig weiterhilft.
Gründerregion Fulda: Gab es konkrete Angebote oder Formate aus der Region, die euch besonders geholfen haben?
Senouci: Vor allem die Vernetzungsmöglichkeiten. Regelmäßige Treffen, offener Austausch, ehrliche Gespräche – das spart unglaublich viel Zeit und hilft, typische Anfängerfehler zu vermeiden. Für uns war das ein echter Beschleuniger.
Gründerregion Fulda: Wenn du heute zurückblickst: Worauf bist du besonders stolz?
Senouci: Auf den Weg insgesamt. Von außen sieht man oft nur das fertige Produkt oder eine Auszeichnung. Was man nicht sieht, sind die Zweifel, Umwege und kleinen Entscheidungen dazwischen. Dass wir heute sowohl mit unserer App als auch mit unseren Kursen Menschen beim Lernen unterstützen können, fühlt sich einfach richtig an.
Gründerregion Fulda: Zum Abschluss: Was würdest du jemandem raten, der überlegt, in Fulda zu gründen?
Senouci: Einfach machen – aber nicht alleine. Netzwerke nutzen, Leute ansprechen, Feedback einholen. Fulda bietet dafür ein richtig gutes Umfeld. Man muss nicht alles wissen oder können, aber man sollte bereit sein, dranzubleiben. Der Rest entwickelt sich dann Schritt für Schritt. Wir wollen zeigen: Gründen heißt nicht, perfekt zu starten oder von Anfang an den Masterplan zu haben. Gründen heißt, loszugehen, obwohl noch nicht alles fertig ist. Es heißt, zu lernen, Feedback auszuhalten, Annahmen zu überprüfen und Dinge auch wieder zu verwerfen. Es heißt, immer wieder nachzuschärfen, besser zu werden, neu zu priorisieren – und den Kurs anzupassen, ohne die Vision zu verlieren.