Rhöner Wurzelräume – Die Gründerstory mit Anastasia Gossen & Karina Fürstweger

Wurzeln bekommen Räume erst durch die Menschen, die hineinkommen

Die Gründerregion Fulda im Gespräch mit Anastasia Gossen und Karina Fürstweger, Gründerinnen der Rhöner Wurzelräume
Rhöner Wurzelräume

Unser Interview mit Anastasia Gossen & Karina Fürstweger

Gründerregion Fulda: Was macht ihr überhaupt?

Anastasia & Karina: Die Wurzelräume sind eigentlich aus zwei Gedanken entstanden. Zum einen kennen wir selbst dieses Einzelkämpfer-Ding ziemlich gut: Man hat etwas gelernt, kann etwas richtig gut und möchte genau das gerne machen – und plötzlich soll man nebenbei noch Webseiten bauen, Flyer gestalten, Werbung machen, Räume suchen, organisieren und abrechnen. Und als Mütter wissen wir beide ziemlich genau, wie wunderbar sich das alles noch irgendwo zwischen Familie und Alltag quetschen lässt. Genau da möchten wir mit den Wurzelräumen ansetzen. Unsere Wurzelpartner sollen sich wieder mehr auf das konzentrieren können, was sie wirklich gut können und wofür ihr Herz schlägt.

Und gleichzeitig möchten wir am Ritzelshof einen Ort für die Menschen hier in der Region schaffen – für Kinder, Familien, Erwachsene und Senioren. Einen Ort, an den man kommen kann, wenn es irgendwo hakt – oder, noch besser, bevor es überhaupt hakt. Aber genauso, weil man Menschen treffen, etwas Neues ausprobieren, den Kopf freibekommen oder einfach eine gute Zeit haben möchte. Ob mit einer eigenen Idee oder Veranstaltung, gemeinsam mit uns oder einfach als Teilnehmer oder Gast – die Wurzelräume dürfen auf ganz unterschiedliche Weise genutzt und mit Leben gefüllt werden. Im Grunde bringen wir Menschen, die etwas geben können, mit Menschen zusammen, die genau das gerade brauchen können. Und dafür schaffen wir den Raum.

Gründerregion Fulda: Wo kommt dieser Spirit her zur Gründung einer solchen Einrichtung?

Anastasia & Karina: Ein Satz beschreibt es für uns ziemlich gut: „Man kann keine Hand halten, ohne dass die eigene gehalten wird.“ Wir kommen beide aus dem Ehrenamt und haben erlebt, wie viel zurückkommt, wenn man etwas Sinnvolles für andere schafft. Wir mögen Menschen, Gemeinschaft und glauben, dass vieles im Leben Beziehung ist – genau das geht im schnellen Alltag manchmal verloren.

Wir möchten Wurzelpartnern ein Stück den Rücken freihalten und gleichzeitig hier in der Region etwas schaffen, das Menschen und Generationen wieder mehr zusammenbringt.

Gründerregion Fulda: Gründen bedeutet Mut – was gehört für euch dazu?

Anastasia & Karina: Nicht alles bis ins letzte Detail zerdenken. Irgendwann muss man einfach losgehen. Den ersten Schritt machen und den zweiten beim Gehen ausklamüsern. Pläne sind wichtig, aber sie dürfen sich verändern. Ein bisschen Mut, ein bisschen Vertrauen und eine gewisse Bereitschaft, zwischendurch zu denken: „Was machen wir hier eigentlich?“ gehören vermutlich dazu. Angst darf dabei sein. Sie sollte nur nicht diejenige sein, die entscheidet.

„Angst darf dabei sein. Sie sollte nur nicht diejenige sein, die entscheidet.“

Gründerregion Fulda: Fühlt ihr euch als Gründerinnen wohl?

Anastasia & Karina: „Wohl“ ist schon ein großes Wort. Sagen wir: meistens. Es gibt Tage, an denen wir denken: „Ja! Wir schaffen das. Wir verändern die Welt!“ – und andere mit einem schlichten: „Warum machen wir das eigentlich?“ Selbstständigkeit ist großartig, anstrengend, aufregend und manchmal erschreckend. Aber wenn wir sehen, was in so kurzer Zeit entstanden ist, wissen wir wieder, warum wir angefangen haben.

Die erste Hürde war die Entscheidung selbst: Machen wir das wirklich? Irgendwann hieß es: „No risk, no fun – let’s do it.“ Danach hat sich vieles gefügt. Ein großes Glück war der Ritzelshof und die Baumgartens, die unsere Idee gesehen, mitgetragen und uns gemeinsam mit der Gemeinde Ebersburg ermöglicht haben, sie dort entstehen zu lassen. Dafür sind wir sehr dankbar.

Unsere größte Hürde kommt fast erst jetzt: Der Aufbau ging schneller als unsere Bekanntheit. Räume, Wurzelpartner und Angebote sind da – jetzt müssen nur noch die Menschen in der Region erfahren, dass es uns gibt. Wir haben also erst gegründet und kümmern uns jetzt um das kleine Detail, dass es auch alle mitbekommen.

Gründerregion Fulda: Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Anastasia & Karina: Für die Zukunft wünschen wir uns, dass die Wurzelräume wirklich zu einem Ort der Begegnung und der Entschleunigung werden. Ein Ort, von dem die Menschen irgendwann ganz selbstverständlich wissen: Wenn ich mir etwas Gutes tun möchte, schaue ich mal, was gerade in den Wurzelräumen los ist.

Vielleicht hakt es gerade irgendwo. Vielleicht möchte man etwas lernen, sich austauschen oder Unterstützung finden. Vielleicht möchte man aber auch einfach nur den Kopf freikriegen, andere Menschen treffen, tanzen, kreativ sein oder eine gute Zeit haben. Wir wünschen uns, dass hier Generationen wieder mehr miteinander in Kontakt kommen und dass Menschen mit ihren Fähigkeiten sichtbar werden dürfen. Und wahrscheinlich wünschen wir uns vor allem, dass die Wurzelräume nicht nur „unser Projekt“ bleiben, sondern ein Ort werden, den viele Menschen mit Leben füllen.

Denn am Ende sind Räume eben erst einmal nur Räume. Wurzeln bekommen sie durch die Menschen, die hineinkommen.

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